20151118_153832Die Stumm-Orgel der evangelischen Laurentiuskirche Wörrstadt

Die von Johann Michael Stumm in Sulzbach-Rhaunen im Hunsrück gegründete und durch ihre Qualität weit über die Region hinaus bekannte Werkstatt erreichte ihre größte Blüte in der Generation seiner Söhne, als Johann Philipp (1705-1776) und Johann Heinrich Stumm (1715-1788) die maßgeblichen Orgelbauer waren.

In Johann Michael Stumms Spätwerk vollzieht sich ein Wandel in der Orgelästhetik. Die Spielanlage wandert von der Orgelfront an die Seite. Die Manualwerke werden in der Regel übereinander angeordnet. Wie in anderen Orgellandschaften auch wird 20151118_153502die separate Stellung des Positivs als Rückpositiv in der Emporenbrüstung aufgegeben.

Kennzeichnend für die Orgelbauten der zweiten Generation waren vor allem die Verschiebung des Spieltisches an die Seite und die Verwendung des Rückpositivs als Unter- oder Oberpositiv. Die Brüder entwickeln eine große Anzahl von landschaftstypischen Prospekten.

Klanglich vereinen diese Instrumente Elemente der Barockorgel französischer Prägung (gravitätische Farbigkeit mit schmetternden, zupackenden Zungenregistern) und Einflüsse des empfindsamen Stils (sanfte Flöten- und Streicherklänge).

Zahlreiche Gemeinden Rheinhessens ließen ihre Orgeln durch die Werkstatt Stumm erbauen. Unter ihnen fällt das Wörrstädter Instrument durch seine Größe auf, die in diesem Gebiet nur durch die der etwas jüngeren Orgel der Augustinerkirche Mainz von 1774 übertroffen wird.

1759 Neubau durch die Gebrüder Stumm mit 30 Registern auf zwei Manualen und Pedal

1842 klangliche Veränderungen durch Bernhard Dreymann (Mainz)

1895 Reinigung mit Einbau eines Doppelfaltenmagazinbalges durch Karl 20151118_154045Förster (Heimersheim)

1917 Ablieferung der Prospektpfeifen zu Rüstungszwecken

1934/35 Restaurierung durch die Orgelbaufirma E. F. Walcker & Co. (Ludwigsburg) unter Beratung von Johannes G. Mehl, einem Pionier der Orgeldenkmalpflege. Erneuerung mehrerer Register, Einbau eines Zinnprospekts, Erweiterung der Tonumfänge Neubau der mechanischen Trakturen unter Erhalt einiger Stummscher Teile; Einrichtung der gleichschwebend-temperierten Stimmung mit modernen Stimmtonhöhe 440 Hz20151118_154137

1963 Restaurierungsumbau durch die Firma Gebr. Oberlinger (Windesheim). Die alte Disposition wird wiederhergestellt, aber klanglich neu gestaltet. Die Technik der Orgel wird zeitgenössischer Orgelneubauten entsprechend angelegt.

1979-1981 Restaurierung unter Beteiligung des Stumm-Forschers Prof. Dr. Jürgen Eppelsheim abermals durch Oberlinger. Sämtliche Zungenregister wurden nach erhaltenen Originalen rekonstruiert, die erweiterten Klaviaturumfänge und die moderne Stimmtonhöhe beibehalten.

1998 Einbau des Glockenspiels im Hauptwerk (Schalenglocken) durch Oberlinger

2011 Reinigung und Nachintonation durch Rainer Müller (Merxheim)

Markierte Register enthalten noch Originalpfeifen von Stumm.

Hauptwerk C-g3 Positiv C-g3 Pedal: C-f1
Principal 8’ Principal 4’ Subbass 16’
Großgedackt 16’ Hohlpfeif 8’ Principalbass 8’
Hohlpfeif 8’ Flaut travers 8’ Discant Oktavbass 8’
Gamba 8’ Flaut 4’ Quintbass 6’
Quintatön 8’ Octav 2’ Principal 4ʼ (später hinzugefügt)
Octav 4’ Quint 1 ½ / 3’ Posaunbass 16’
Salicional 4’ Mixtur 3 fach 1’ Claronbass 4’
Quint 3’ Cromhorn 8’  
Flaut 4’ Vox humana 8’  
Superoctav 2’ – Tremulant –  
Terz 1 3/5’   Manualkoppel I/II Schiebekoppel
Pedalkoppeln II/P und I/P
Mixtur 4 fach 1’  
Trompete 8’ Bass  
Trompete 8’ Discant  
Vox angelica 2’ Bass    
Glockenspiel c1-d3