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Kurzfassung der Predigt über die dreifache Liebe (16. Oktober 2011) von Pfr. Stefan Koch
„...Welches ist das höchste Gebot von allen?“ Jesus aber antwortete: „...du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften (5. Mose 6, 4+5). Das andre ist dies „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (3. Mose 19, 18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.“ (aus Markus 10, 29-31)
Vorwort: Die entscheidende Frage
Die Frage nach dem höchsten Gebot ist mehr als die Frage nach der wichtigsten Regel. Sie ist mehr als eine Frage nach der bedeutendsten religiösen Vorschrift.
Gott ist unser Schöpfer. Er kennt uns so gut wie kein anderer uns kennt (noch nicht mal wir selbst uns kennen). Was er von und für uns will, das entspricht uns selbst – unserer eigenen Bestimmung. Und so könnte die Frage auch lauten: „Wie gelingt mein Leben?“ oder „Wie lebe ich mit mir und meiner Bestimmung identisch?“ oder „Wie werde ich wirklich glücklich?“
Jesus antwortet mit dem dreifachen Gebot der Liebe: Der Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu uns selbst.
1. Nächstenliebe
Das Leben gelingt nicht für mich alleine! Ohne meine Mitmenschen, ohne die Liebe zu ihnen, scheitert mein Leben. Ich werde nicht wirklich froh und erfüllt sein. Also brauche ich meine Mitmenschen – und sie brauchen mich.
Wo wird meine Nächstenliebe gebraucht? Beispiele gibt es ohne Ende: Kinder in schwierigen Familienverhältnissen brauchen Unterstützung – und sei es nur bei Leseübungen. Kranke brauchen Unterstützung, um den Alltag bewältigen zu können. Viele Menschen sind einsam – sowohl junge als auch alte. Wer die Internetforen kennt, der weiß, wie viele Menschen sich nach Nähe und Gemeinschaft sehnen. Und dann gibt es noch die vielen sozialen Nöte von Hunger, Ungerechtigkeit und Verfolgung in vielen Teilen dieser Welt.
Es ist weniger die Frage, ob meine Hilfe gebraucht wird, sondern vielmehr die Frage, wo meine Kräfte und Möglichkeiten enden und ich leider nicht mehr helfen kann.
Martin Luther schreibt: „Wenn man den Nächsten in seiner Not übersieht, dann legt Gott ihn oder einen anderen wieder in den Weg“.
Den eigentlichen Aufgaben des Lebens kann man nicht entrinnen! Sicherlich kann man sich eine Zeit lang und in einem konkreten Fall um die Aufgaben drücken. Aber was versäumt wurde, das kommt wieder:
Wer Schwäche verachtet, wer Menschen in Hilflosigkeit nicht zur Seite steht, der kann auch seine eigenen Schwächen nicht akzeptieren. Er läuft nicht nur vor anderen, er läuft auch vor sich selbst davon.
Manche wollen mit kranken Menschen nichts zu tun haben. Doch niemand kann vor Krankheit davon laufen. Wer die Krankheit des Nächsten nicht sehen will, der hat es schwer, wenn er später eine eigene Krankheit annehmen und bewältigen muss.
Nächstenliebe zu üben und zu lernen ist Lebensaufgabe.
Der Nächste braucht mich! Und ich brauche den Nächsten! Nur mit ihm kann mein Leben erfüllt sein.
Tipp: Befolgen Sie die alte Pfadfinderregel: An jedem Tag eine gute Tat!
2. Selbstliebe
Soll man wirklich sich selbst lieben? Früher wurde nur vom Doppelgebot der Liebe gesprochen. Selbstliebe war verpönt. Jesus aber setzt Nächsten- und Selbstliebe auf den gleichen Level: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Daraus folgt: Wer sich selbst nicht liebt, der liebt den Nächsten auch nicht.
Es soll hier kein Egoismus gepredigt werden. Egoismus ist keine Selbstliebe, sondern Selbstsucht. Selbstliebe aber ist etwas anderes. Sie weiß und schätzt, Gottes gutes Geschöpf zu sein. Und weiß schon deshalb um den eigenen Wert.
Wenn Sie einen Spaziergang machen – vielleicht scheint einmal die Sonne und sie atmen die herrliche Herbst- oder Winterluft – und freuen sich an ihrem Körper und ihrem Leben, dann ist das Selbstliebe. Oder Sie haben Sport gemacht, körperliche Anstrengung durchgestanden und gönnen sich jetzt etwas Gutes. Oder Sie haben ein feines Essen gekocht oder den Garten schön in Ordnung gebracht und sind stolz darauf.
All das kann Ihnen zeigen, dass Sie ein wertvolles Geschöpf Gottes sind. Reden Sie das nicht klein oder machen es schlecht mit Worten wie: „Ich kann doch nichts“ oder „Ich bin nichts wert“. Das wäre keine wirkliche Bescheidenheit, sondern Selbsthass. Oder der Versuch, den Nächsten zu manipulieren. Gott will das nicht. Es beleidigt ihn als Schöpfer.
Egoisten freuen sich nicht an einem schönen Spaziergang. Sie wollen immer vielmehr Geld, Macht oder Ansehen. Eine sportliche Leistung ist für Egoisten nur schön, wenn sie bewundert wird. Ein Essen sollen aus egoistischer Sicht gefälligst andere kochen – schließlich hat man selbst Besseres zu tun. Und den Garten pflegen erscheint Egoisten auch als zu bescheiden.
Wer egoistisch ist, der mag sich selber nur scheinbar. In Wahrheit lehnt der Egoist sich und seine Mitmenschen meistens ab. Nichts ist groß und wunderbar genug. Alles muss besser sein.
Egoismus ist Ersatz für Ungeliebtsein. Mit Geld, Macht und Ansehen will man sich erzwingen, was man gar nicht erzwingen kann: Liebe und Anerkennung. Deshalb will man auch immer mehr und immer mehr...
Tipp: Nehmen Sie sich an jedem Tag etwas Zeit für sich selbst – und freuen sich an dem, was Ihnen geschenkt und möglich ist.
3. Die Liebe zu Gott
Viele spüren im Herbst und Winter diese Fragen besonders eindringlich: Lohnt sich Liebe überhaupt? Siegt nicht allzu oft Gier und Überheblichkeit? Was bringt mein Einsatz, wenn andere so viel kaputt machen? Sind Menschen überhaupt liebenswert, wenn so viele Menschen Kriege, Unrecht und Gewalt verüben?
Diese Fragen sind in der Regel gar nicht krankhaft, vielmehr sind es tiefe Fragen des Menschsein. Und es sind, wie ich meine, Fragen nach Gott.
Für viele Menschen sind sie deshalb so schwierig, weil die Antworten nicht beweisbar sind. In unserer Zeit wollen viele nur Beweisen glauben, obwohl die entscheidenden Antworten des Lebens nie beweisbar sind. Wer kann Liebe, wer Freundschaft beweisen? Die wesentlichen Fragen sind Vertrauensfragen. Beweisbar ist nur Mathematik, Technik und Naturwissenschaft. Und das Leben ist viel, viel mehr.
Gott lädt zu einem vertrauensvollen Leben ein. Er ist der Urgrund des Lebens. Und er trägt unser Leben. Unsere Liebe ist nicht vergeblich, weil er sie will und unterstützt. Unsere guten Taten zählen, weil er sie nicht vergeblich sein lässt und das Gute bewahrt. Und er lässt das Leben der Seinen niemals verloren gehen, sondern hält sie in seiner Hand.
Solches Vertrauen kann man nicht machen. Es ist und bleibt ein Geschenk Gottes. Aber Gott schenkt dieses Vertrauen. Was wir dazu tun können: nach Gott fragen, seine Botschaft lesen und hören, uns in diesem Vertrauen bestärken, davon singen und musizieren...
Tipp: Nehmen Sie sich Zeit für die Liebe zu Gott. Durch sie bekommt ihre Nächsten- und Selbstliebe Halt und Kraft. Wie wäre es mit einer Veranstaltung unserer Gemeinde, vielleicht dem Gottesdienst?
Zuletzt: Die drei Formen der Liebe gehören zusammen
Manche sagen: Nächstenliebe, soziales Handeln wollen doch alle. Das ist nicht wahr. Auch in diesem Bereich gibt es eine immer deutlichere gesellschaftliche Spaltung. Immer mehr Menschen setzen immer radikaler und rücksichtsloser auf Macht und Besitz.
Wir Christen werden gebraucht. Unsere Nächstenliebe ist notwendig für die Menschen um uns herum, für unsere Stadt und unser Land.
Wenn wir den Nächsten lieben, dann entdecken wir auch unsere eigene Aufgabe und unseren eigenen Wert. Und wenn wir uns selbst lieben, dann entdecken wir auch, dass wir für wichtige Aufgaben, für die Nächstenliebe, geschaffen sind.
Und wenn wir Liebe üben, dann führt sie uns zu den Fragen nach Gott. Und die Liebe zu Gott weist uns den Weg zum Nächsten und zu uns selbst.
So gehören die drei Formen der Liebe zusammen. Christliche Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus: Ich liebe meinen Nächsten und er gibt mir Liebe und Anerkennung zurück (und umgekehrt). Das ist wahrlich nicht selbstverständlich, bei manchen ist es selten geworden. Letztendlich wird unsere Liebe von Gottes Liebe getragen und führt zu ihr zurück.
Amen.
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